Mein letzter Beitrag endete, als die Sonne am sibirischen Himmel aufging, doch das Programm am Tag zwei ging eine Stunde später los und die Nachttemperaturen kamen auch der 20-Grad-Grenze sehr nahe. Schlaflos in Sibirien, sagte Ulla fast zutreffend. Du musst an deinem Zeitmanagement arbeiten, sagt sie auch und hat recht. Doch hier liegt ein strenger Zeitplan mit den Behörden abgestimmt vor und meine Arbeitsmails wollen auch mal beantwortet werden, wenn man denn nun schon verbunden ist mit dem Rest der Welt. Nur die Schreibezeit, die will gefunden werden - die Lesezeit ja auch. Viele Worte!
Ein spätes Frühstück also mit angemessenem Kaffee in viel zu kleinen Tassen, so dass wenigstens hier genug Bewegung ist, was nicht schlecht ist, denn die täglichen Mahlzeiten mit Gastgebern übersteigen bei weitem das, was ich herkömmlicherweise an Nahrungsmitteln zu mir nehme. Zum Glück habe ich hier noch keine Wage gefunden…
Alle anderen hatten noch eine Stunde auf der Party ausgeharrt und waren auch nicht viel wacher als ich. Also gleiche Startbedingungen. Nach der heutigen Erfahrung pausenlos die Termine abzuarbeiten, gestattete sich die Gruppe am Ende des Tages im Hotel um 23 Uhr eine erste kritische, gemeinsame Durchsicht der morgigen Termine, konnte sich aber aus politischen Gründen am Barbarossatag den Gang zum Gedenkstein an den sibirischen Soldaten nicht streichen, doch eine Kunstausstellung wird verkürzt und zwei Stunden Mittagessen brauchen wir auch nicht. Konsum statt Kultur war die Parole, da Filzpantoffeln und Bärenstiefel auf den Einkaufszetteln stehen. Postkarten gibt es nur aus den frühen 70er Jahren, wenn man hartnäckig genug nachfragt.
11 Uhr Progymnasium Nr. 1
13.15 Uhr Lyzeum Nr. 176
14.45 Uhr Verwaltung des Bezirks Kirow, Chef „Wiktor“
16.00 Uhr Gymnasium Nr. 7, das Sibirische
17.30 Uhr Bildungsinstitution für Kinder Nr. 494 ((Kita)
18.30 Uhr - 20.00 Uhr Das Haus des Kinderschaffens namens Efremow (Jugendfreizeiteinrichtung oder besser Kulturpalast) mit Konzert und Essen
Außer dem ersten Termin waren wir bei allen anderen verspätet, am Ende mehr als eine Stunde; zurück waren wir ja dann erst gegen 23.00 Uhr. Das Erstaunliche: Keiner hat Hektik gemacht, außer die eine oder andere in der Gruppe, ohne allerdings die anderen anzustecken. Keine Einrichtung verlor ein einziges Wort darüber, dass ausgerechnet die Deutschen nicht pünktlich kamen. Diese Gelassenheit oder Ruhe oder wie soll man es nennen, ist schon mehr als bemerkenswert. Die umso mehr, als wir bei unseren beiden abschließenden Terminen jeweils von größeren Gruppen von Kindern und Jugendlichen mit anspruchsvollen Kulturbeiträgen verwöhnt wurden und alle warten mussten. Hätten unsere Eltern aus unseren Einrichtungen die Ruhe behalten? Schwer zu glauben. Doch die Anwesenheit dieser „Delegation“ hat sich offensichtlich in der Stadt herumgesprochen. Gleich beim ersten Termin erwartete uns ein Team der Hauptnachrichtensendung des ersten russischen Fernsehens und filmte die Begrüßung, die Gesprächsrunde und interviewte die Organisatorin mit dem Stadtrat.
Wir fuhren also auf die andere Seite des Don, an dessen Uferstrand sich Sonnenbadende erholten. Unser Fahrer hatte heute keine Chance, seine eigenen Wege zu fahren, denn wir setzten ihn einen Ortskundigen auf den Beifahrersitz und vertrauten nicht mehr auf Wegbeschreibungen, wie akkurat sie auch waren. Bislang fuhr er immer falsch in seiner eigenen Stadt, umkreiste das Hotel in großem Bogen und geriet in Staus, die nicht unserer Richtung entsprachen, was selbst wir Ortsunkundigen verfolgen konnten. Ganz offensichtlich liegt hier eine der seltenen Orientierungsschwächen vor, die dem Beruf eines Fahrers selten lange seinen Job sichern. Doch sei´s drum. Wir hatten Vorsorge getroffen und gelernt. Diesen Speziellen Förderbedarf wollten wir nicht weiter bearbeiten.
Das ausgedruckte Programm auf Deutsch und auf Englisch im Progymnasium Nummer eins wurde ja gleich durch die Anwesenheit der Fernsehfritzen erschüttert und aufgewertet, war doch wohl aus diesem Grunde gleich die erste Öffentlichkeitsarbeiterin der Stadt angereist, die privat zufällig ihre beiden Söhne bei Irina Kurilowa (so heißt die Leiterin) in der Kita hat. Die Mitarbeiterinnen der Einrichtung waren in traditionellen Dirndl-ähnlichen Volksdeutschen Kleidern angetreten. Nur die Leiterin blieb zivil und hatte auch keine Haare, die zum Zopf gereicht hätten. Das kam später auf uns zu.
Irina selbst hat großes Interesse am Austausch, Besuch, an Zusammenarbeit. Sie erzählte mir später, denn sie begleitete uns noch auf weiteren Stationen, dass sie die letzte Russlanddeutsche ihrer Familie sei. Alle anderen wären bereits weg.
Neben einer wissenschaftlichen Leiterin der örtlichen Universität, Klaus (Sewing, der von gestern) aus Lübbecke mit seiner Frau Sabine, die Vorsitzende des Verwaltungsrats sowie Jewgenija Aleksandrowna Zajkowa als Direktorin der Gesellschaft „Breitenarbeit“, die für die GIZ (früher GTZ) arbeitet. Hier öffnete sich sogleich ein Sprachfenster, denn diese Kita für Kinder von 2 – 6 Jahren, hat ein spezielles Deutschförderprogramm, welches auch von der GIZ finanziert wird, um Russlanddeutsche in Sibirien zu halten.(Damals sollen es 46.000 gewesen sein, die Hälfte davon in Novosibirsk.) Dazu bedarf es einer Quote von 50% der Kinder, seitdem das Programm 1994 als internationales Abkommen zwischen Deutschland und Russland verabschiedet wurde und nun die Rechtsgrundlage darstellt.
Da mittlerweile aber die meisten Russlanddeutschen im „Kernland“ sind, senkte man die Quote, um das Programm nicht sterben zu lassen und bedient die „deutschwilligen“ sibirischen Familien mit einem bilingualen Programm, die zu Haue nie ein deutsches Wort bewusst gesprochen haben. Sie lernen über die vier als deutsch identifizierten Feste (Ostern, Weihnachten, St. Martin und Fasching), was es heißt deutsche Kultur und Sprache fern des Mutterlandes zu zelebrieren. Die Sprachvorbilder sind naturgegeben des Hochdeutschen nicht wirklich mächtig, bemühen sich aber rührend darum, eine altertümlich erscheinende Sprache zum Leben zu erwecken oder am Leben zu halten: Die Vögel zwitschern und tirilieren…jetzt noch singen, bitte! Und dann spielt hier das Wort vom „Dialog der Kulturen“ eine große Rolle, die unter den gegebenen Bedingungen herausfordernde Dimensionen erahnen lässt. (Mir dämmert die Beharrlichkeit von Irina nach Austausch…).
Folgerichtig ist die Elternarbeit von besonderer Bedeutung. Bei den verschiedenen Förderungen finanzieller Natur braucht es auch politische Arbeit zur Absicherung. So war denn auch eine Abgeordnete anwesend, deren Kind hier auch lernt. „Sprchsommer“ und „Sonntagsschule“ ergänzen das Programm.
Voller Stolz wurden wir in den Musikraum gebeten. Dort folgten 8 Fünfjaährige, die noch nicht in die Sommerferien verschwunden waren, den Anweisungen ihrer Lehrerin, sangen alte Lieder erkannten Äpfel, Birnen, Beeren und Blumen, sangen vom blauen Himmel und den Vögeln, die ….Sie tanzten das dann noch vor, ich nahm eine Tonprobe, bevor alle Anwesenden Erwachsenen in den Reihentanz mit einbezogen wurden. All dies wurde gefilmt und wird sicher bald im Netz zu finden sein. Was soll man sagen? Selbst ein Smart Board kam zum Einsatz, um in Zeichen- und Symbolsprache den Kindern ganze Sätze beizubringen. Wirklich vielseitig. Die Bilder der trachtenähnlich gekleideten Kinder kann sich jeder im Kopf machen…die wirklichen kommen später.
176. Schule, Lyzeum
Geografie, Physik und Informatik sind die Schwerpunkte, die dieses frühere Gymnasium 1997 zum Lyzeum machten. Auch im Tanzen, im Ballett und im Wehrsport(!) hat sich die Schule Meriten verdient. 617 Schülerinnen und Schüler werden von annähernd 50 Lehrerinnen unterrichtet, hinzu kommen Sozialarbeiter, Ärzte, einen Psychologen, ein Zahnarzt, eine Physiotherapeutin, die von Elektroschocktherapie zu reden beginnt, wenn Kinder nicht schlafen könne, bei ihr schläft jeder, vier Videoüberwacher, und und und.
Der gute Ruf und die guten Leistungen auch in „Olympiaden“ haben zu einem Verzicht der technischen Universität für die Absolventen geführt. 93% studieren dort.
Wir lernen wieder, was ein Lehrer verdient, 10 – 18.000 Rubel; eine Ein-Zimmer-Wohnung am Stadtrand kostet 10.000 Rubel. Kein Wunder, dass unsere 25-jährige Lehrerin, die als Übersetzerin ein Zubrot für diese Ferienarbeit erhält, noch zu Hause wohnt.
Mittagessen in der Schulmensa, ausgesucht gute Spezialitäten.
Wiktor, Bezirk Kirow
Er streitet das aufziehende Matriarchat glattweg ab, erklärt die guten Leistungen der Schülerinnen damit, dass 55% der Schüler weiblich sind in Novosibirsk. Die fehlenden Männer in den Schulen und Kitas erklärt er mit der schlechten Bezahlung, erinnert sich jedoch auf Nachfrage, dass dies in der SSU auch nicht anders war. Seine rechte Hand, eine Frau, hat die Erklärung parat: „Unsere Schulen und Kitas sind voll verantwortlich für alle Kinder und Jugendlichen. Es gibt kein Sitzenbleiben und keinen Rauschmiss. Diese volle Verantwortung für Menschen können nur Frauen tragen. Männer sind lieber Chefs.“ Wiktor, so sollen wir ihn nenne, freut sich. Hat er verstanden?
Kirow ist eines von zehn Bezirken, eines der beiden links des Ob, Die Wiege, wie er sagt, der jüngste Bezirk, viel Industrie („Schlafindustrie“), weil im Wohngebiet gelegen, ähnliche Geburtenentwicklung wie in Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf: Erst kaum Kinder, Schließung vieler Kindereinrichtungen, Verkleinerung der Schulen auf einen Zug, nun händeringend suchend nach neuen Einrichtungen und Gebäuden. Unsere beiden Verwaltungsverantwortlichen ziehen die direkte Linie zwischen ihren Bezirken und Novosibirsk. Zum Abschluss erhalten wir als Belohnung für den freundschaftlichen Austausch ein Buch über 40 Jahre Kirow, fester Einband, 189 Seiten, farbig, 1000 Rubel im Verkauf. Viel Maschinenbauindustrie, ein wenig Atom. 50qkm groß, heute 170.000 Einwohner. Seit Mitte der 90er Jahre verlor der Bezirk 1000 Schüler pro Jahr, umgerechnet eine Schule. Aktuell wächst die Wirtschaft Novosibirsks um 7%, die Geburtenrate auch: Produktivität und Reproduktion.
Wiktor verwaltet 66 Bildungseinrichtungen, der Bezirk gibt 79% seines Budgets für Bildung aus, dagegen hat Lichtenberg bei einem Budget von € 400 Mio. € 80 Mio. für Kitas aufzubringen, aber nur 10.000 Kitaplätze in 80 Einrichtungen, 3.000 Plätze fehlen. In Novosibirsk erhält eine erfahrene Erzieherin 14.000 Rubel (knapp € 360), Berufsanfänger 8000 Rubel; der Kita-Sachkostenaufwand wird mit 7.000 Rubel angegeben, für Schulen mit 18.100.
Es hat geregnet, wir sind ein wenig abgekühlt, abgekommen von bilingualer Bildung und den Segnungen des Sowjetreiches, doch das Gruppenfoto am Ende dar diesmal nicht fehlen. Wiktor freut sich. Über seinem Schreibtisch hängt nur sein Präsident Medvedjev, andere sind sich da nicht so sicher und haben Putin gleich daneben.
SIBIRISCHES Gymnasium Nummer 7
Seit 1975 lernen hier Kinder, heute 1.084 in zwei Schichten, auch samstags, bei 75 Lehrkräften. Ich frage nicht mehr nach Vollzeit, das hat sich erledigt nach dem Zusammenhang mit der Entlohnung. Literatur, Geschichte, Deutsch und Englisch
Werden uns hier als Schwerpunkte genannt als wir die Gänge begehen und feststellen, dass auch hier doppelt verglaste Fenster gerade eingebaut wurden, ansonsten die Gebäude seit der Errichtung keine Außenrenovierung mehr gesehen haben, nur drinnen hat man mit Farbe nicht gekleckert: Die Nasen laufen überall, wo früher Holz war, ….Ich möge jetzt bitte icht mit energetischer Sanierung kommen, sagt ein Kollege. Das Wort gibt es hier noch nicht.
Die Zahnärztin, die vier Ärzte, die Physio („Sie sehen wie Alberich aus“, sagen zwei aus unserer Gruppe zu der Kleinwüchsigen mit Stöckelschuhen), alle sind sie noch im Keller (von Ärztemangel keine Spur, und zeigen sich enttäuscht, weil wir wirklich nicht mehr viele Fragen für all diese Leute haben. Wir fallen vom Glauben ab, als uns die Schulleiterin erzählt, wie modern die ICT-Ausstattung ist, so dass jeder kranke Schüler zu Hause unterrichtet wird und wenn er keinen Computer hat, bekommt er ihn von der Schule geliehen, auch wenn er keinen Internetanschluss hat, in der Freistunde, immerhin hätten sie zwei Computerkabinette und jeweils einen technisch Verantwortlichen…Aber eine Lernplattform haben sie nicht, sie arbeiten mit Skype. Die Russen in unseren Reihen fühlen sich in Sowjetzeiten zurückversetzt und würden sich das gerne zeigen lassen wie das praktisch läuft, doch leider geht das nicht, es sind ja keine Schüler da…
Überall werden wir verpflegt, beköstigt. Der abschließende Geschenkeaustausch ist jeweils der kulturelle Höhepunkt. Ich kann es nicht lassen, meine Pins zu verteilen. Man freut sich meist sehr.
Bei all dem müssen über 6 Kinder und einige als Eltern verkleidete Lehrer im modernen Veranstaltungsraum warten, bis die Gäste endlich eintreffen. Die Schulleiterin stimmt alle ein, Kinder betreten die Bühne, Mädchen tanzen mit Trachtenglockenröckchen und Zöpfen zu deutscher Kultur, ein Junge spricht gebrochen das Gedicht vom Weg zur Schule, ein Vierzeiler, dann noch ein Tanz, die Kulturbeiträge sind enorm auf dieser Reise; einer unser russisch-asiatisch-stämmigen Begleiter ließ sich am Vorabend zu dem Satz hinreißen: Hoffentlich singen und tanzen sie jetzt nicht noch weiter: Russisch, echt russisch! Tolle Kostüme, sehr gute Bühnenpräsenz, gute Rhythmusgefühle, sehr musikalisch, guter Ausdruck. (Weniger Jungen als Mädchen).
Wir werden einzeln vorgestellt, ein Tisch ist wie zu einer Pressekonferenz aufgebaut, Schülerinnen und Schüler dürfen Fragen in deutscher oder russischer Sprache stellen. Wir wechseln uns ab mit den Antworten, finden kaum den Ton für Kinder, doch alle sind sehr geduldig und gutmütig. Nach einer Stunde endet diese Sommerferienveranstaltung. Alle Bilder sind im Kasten!
Die Sibirische ist eine Schule mit Anspruch. Ihre Leiterin begleitet uns weiter.
Bildungsinstitution für Kinder Nr. 494
Wie sind spät dran, wie gesagt. Trotzdem werden wir ausnehmend freundlich im russischen Trachtenkleid (blau, man weiß nicht, warum, ist jetzt auch egal) von jungen Frauen mit Brot und Salz begrüßt und dürfen uns umsehen. Ein Deutschprogramm gibt es hier nicht, aber Russlands beste Erzieherin arbeitet hier. Wir treffen sie. Von mir erhält sie einen Berlinplan und einen „Ich bin ein Berliner“-Anstecker. Sie ist gerührt. Ich auch, aber auch schon ziemlich müde.
275 Kinder werden in 11 Gruppen von zwei Erzieherinnen betreut und gebildet. Auch hier wird es zwei Stunden Mittagsruhe geben. Das hatten wir früher erlebt. Zwei Erzieherinnen teilen sich die Gruppe, die eine hat sie von 7 – 13 Uhr, die andere von 13 – 19 Uhr. Die Kitakolleginnen sind irritiert ob der Klarstellung nach der Nachfrage. Ja, 25 Kinder in einer Gruppe – wegen der großen Nachfrage. Sie müssen halt den Bedarf decken! Dafür gibt es ein eigenes Schwimmbecken mit 28 Grad Wassertemperatur (kein Problem, auch im Winter nicht), das Wasser wird nicht gechlort, aber täglich gewechselt, ein kleines russisches Zimmer wie ein Museum, alles Holz, ein botanischer Garten und viele kleine Vögel versorgt vom eigenen Gärtner, eine eigene Logopädin, …
Haus des Kinderschaffens oder Kreastivhaus oder besser: Kulturpalast
Es ist 19.40 Uhr bei der Ankunft. Ich kämpfe gerade noch mit einer SMS an Susanne Vieth-Entus, die Ulla grüßen lässt, bin also wenig konzentriert auf die neuen Gastgeber und habe das Programm nicht im Kopf, wasche mir noch einmal den Schweiß in der Toilette ab und folge den anderen in einen großen Saal, erwische zum Glück einen richtigen Sitzplatz. Der Saal fasst bestimmt 500 Menschen, der Tonmeister sitzt am Mischpult, die Beleuchter sind am Platz, die Chefin begrüßt uns auf der Bühne mit einem Mikrophon.
Die Leiterin dieser Jugendfeizeitstätte (Jahrgang 52) führt einen Marmorpalast für kulturelle Höchstleistungen, der eher eine Musik- und Theaterhochschule gleicht, als dass man irgendwelche persönlichen Spuren der Jungkulturschaffenden irgendwo ausmachen kann jenseits der gerahmten Urkunden, Pokale, Plakate, Fotos und Kunstwerke. Sie hat 99 Mitarbeiter, die jegliche Kultur anbieten: Malerei, Tanz, Gesang, Kosaken, Ballett, Musikinstrumente, …Sie arbeiten semiprofessionell, sind von Profis kaum zu unterscheiden und gehen auch auf Tournee für ihr Land in Japan, China, Italien, … Botschafter ihre Landes, hochkonzentriert, ohne Bezahlung, diszipliniert, tolles Programm. Der eine oder die andere kämpft bisweilen mit der Müdigkeit. Eine Stunde. Nur für uns! Was für eine Behandlung.
Zum Essen werden wir mit Wasser und Vodka bewirtet, ich frage, wie man Mathelehrer bei Ihnen mit guten Deutschkenntnissen findet; die Schulleiterinnen schlagen den Weg über den Minister vor, den stellvertretenden, den wir schon getroffen haben und der morgen Abend im Deutsch-Russischen Haus sein soll. Mal sehen.
Es hat sich abgekühlt. Der Wecker ist gestellt. SO viele Worte, so viele Stationen, so weit weg, keine Nachrichten aus der Welt, nur Sibirien. Vier Uhr. Danke für die Begleitung allen bis hierhin Lesenden.
Andreas schlaflos in Sibirien? Nicht ganz. Gute Nacht. Guten Tag!
Hallo, mein Paps,
AntwortenLöschenwährend ich noch mit dem wach werden kämpfe, hast Du vermutlich schon wieder zwei weitere Termine hinter Dir und machst jetzt grade (hoffentlich) Mittagspause. Es ist der Wahnsinn, was für ein Programm die da für euch runterspulen. Da hilft nur: Augen zu und durch.
Aber es klingt auch sehr spannend-skurill bisweilen absurd... und ich bin schwer gespannt auf die persönlichen Berichte und Fotos.
Laß Dich nicht unterkriegen und ich hoffe, Du hast genug Pins mit. ;-)
Ja, ich frage mich auch, wann Sie die Zeit für diese differenzierten Betrachtungen finden. Ich bin auch gar nicht mehr neidisch, auf diese Erfahrung ;-)
AntwortenLöschenMachen Sie bitte weiter!