Sonntag, 19. Juni 2011

Novosibirsk, Sibirien, Anreise am 19. Juni 2011

Anreise

Sonntag, 19. Juni 2011, 6.30 Uhr, Tegel:
Schon der Taxifahrer kriegte sich nicht mehr ein. Non Stop nach Novosibirsk? Von Tegel?

Die 8er Gruppe „Fachkräfteaustausch“ von Mitra fand sich am Schalter zusammen, um das Check In zu erledigen. In der Tat. Dies ist Flug Nummer eins non Stop, die Gegenmaschine war gerade gelandet, hellgrün.

Kein Übergepäck wurde reklamiert, die anderen Russen drängelten so undiszipliniert zuverlässig mit Ihrem Gepäck, wie man dies von Ihnen überall auf der Welt erwartet, auch die Landsleute in unseren Reihen – einige Mitreisende sind als Sowjetbürger auf die  Welt gekommen und leben heute mit deutschen oder russischem Pass in Berlin. Als wenn Eile geboten wäre. Um 8.25 Uhr MESZ startete die Maschine und war gut halb gefüllt. Noch keine Schulferien. Wer weiß, warum diese Linie geöffnet wurde.

So blieb mir ein wenig Zeit auf dem Siebenstundenflug mit fünf Stunden Zeitverschiebung mich dem Mysterium SIBIRIEN zu nähern, Novosibirsk zu orten. Immerhin gilt sie als drittgrößte Stadt Russlands, hat gerade einmal 1,4 Mio Einwohner, nennt sich Hauptstadt Sibiriens und geht gerade mal auf das Jahr 1893 als Gründungsjahr zurück, eigenständig als Ort erst 1903, auch 1907 erst mit 40.000 Einwohnern. Man errichtete diesen Ort am Don, um die Transsib voranzutreiben, suchte und fand den Punkt, wo der Don am besten überquert werden kann. Doch gleichzeitig war dies Teil der Russifizierung und damit der Vertreibung all der ansässigen Völker und Sprachen, für die sich keiner interessierte. Ein Riesenland, gesegnet mit großer Kälte, Hitze, Tundra, Wäldern, Gas, Öl, Gold, Diamanten und Felltieren.

Dem jagte man ebenso nach wie einer Eisenbahnverbindung und nutzte die abgelegenen Gegenden für Gefangenenlager ungeahnter Größenordnungen in verschiedenen Epochen.

Eigentlich ist das alles mit einem NONSTOP-Flug dann gar nicht mehr weit weg von da, wo wir sind…Europäisch soll Novosibirsk sein, sagt man, kolonialisiert von den Russen kann man wohl auch sagen. Sowjetische Städte bekommen eine U-Bahn, wenn sie eine Millionen Einwohner erreicht haben, also gibt es auch hier eine U-Bahn, die wohl noch langsam weiter gebaut wird. Der Name der Stadt kommt auch aus Sowjetzeiten, blieb erhalten wie alle Straßen und alle 10 Stadtbezirke, von denen 3 links und sieben rechts des Don liegen. Die Mitreisende Marzahnerin freut sich darüber. Daneben sind noch die beiden Mitra-Verantwortlichen mit der Projektleiterin, eine Schulleiterin, eine Kitaleiterin und ein Stadtrat aus Lichtenberg an Bord. Viele Lebensgeschichten, einige aus der Migrationsgeschichte, seit zwanzig Jahren in Berlin.

Der Flug verlief sanft, Essen und Trinken waren angenehm, die Sonne begleitete uns den ganzen Flug über und nach der Landung wurde wieder mal geklatscht, lange nicht mehr gehört, wenn es auch ein wenig rumpelig war. Beim Ausstieg auf das Rollfeld floss der Schweiß in der mehr als 30 Grad warmen Nachmittagssonne. Auch jetzt  - nach Mitternacht – haben wir noch 25 Grad! Die Luft ist schlecht, sagt sie Ausgewanderte. Wie gut es doch in Berlin ist! Die Stromversorgung bereitet Probleme, denn die Stauung des Don hat eher zu einem Desaster geführt, übersetzt uns die junge Deutschlehrerin die russischen Worte Ihrer Schulleiterin, die uns mit einem Kleintransporter, der kaum Platz für Gepäck hat, natürlich keine Kühlung oder Klimaanlage, doch wir quetschen uns rein und verstauen die Koffer zwischen uns. Ist ja nicht weit. 20 Minuten zum Hotel, nahe der Innenstadt. Visum, Gepäck und Zoll laufen prolblemlos.

Wir werden also herzlich begrüßt, finden Zimmer im 14 Stock Hotel mit vier Sternen, die Dusche reguliert das Wasser gut, alles o.k. Selbst der Internetzugang läuft, wie ich später feststelle. Nach der Ankunft sucht sich die Gruppe den Weg zu einer Verpflegungsstelle mit sibirischem Bier, was o.K. ist, besser läuft Guiness und Heinicken. Salate und Suppe werden umständlich serviert, aber immer freundlich, Bier, Suppe und Wasser für 308 Rubel sind auch nicht die Welt, da der Rubel ein Neunundreißigstel eines Euro wert ist, somit € 7,90 plus Tip.
Doch viel Geld werden wir ohnehin nicht tauschen brauchen, das Programm lässt wenig Lücken, morgen sowieso nicht, mit fünf Terminen, zwei hochoffiziellen und Rückfahrt zum Hotel gegen 23.00 Uhr.

Es soll morgen auch wieder heiß werden, mal sehen, bei der wenigen Kühlung.
Ich danke für die Begleitung bis hierhin und grüße herzlich aus Sibirien: Mal sehen, wie es sich zeigt.
Andreas  


  

2 Kommentare:

  1. 25 Grad??? Ich hoffe, Du hast ne Klimaanlage im Zimmer! Das ist ja widerlich. Ich dachte immer, in Sibirien ist es kalt!
    Andrea lässt ausrichten: sollten Dir Eisbären - in welcher Form auch immer - über den Weg laufen... einfangen!!! :-D Ich tät dann auch nen sibirischen Tiger nehmen *kicher*

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  2. Das ist wunderbar! Noch nie habe ich einen so langen Text von Ihnen gesehen. Ganz schön geschrieben. Vielen Dank, dass ich daran teilhaben darf.
    Olga berichtet auch von großer Hitze, die ist aber viel weiter südlich, bei Rostov, aber eben auch am Don. ich bin auf die Fortsetzungen gespannt!

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