Montag, 2. Februar 2015

Schlaflos in Brasilien - Tag Zwei, Samstag 31.1.15

Petropolis, die alte Kaiserstadt (nicht weit weg von Rio)

Stefan Zweig beendete 1942 hier sein Leben - von daher klingt der Name vielleicht vertraut.
Rudi S. hatte vorgesorgt. Vor Ort brauchen Leute, die nie in Südamerika waren und nur einer Brocken Portugiesisch spricht, einen lokalen Navigator, um die Klippen zu umschiffen, um Zusammenhänge zu erläutern, um Details zu beantworten: Kultur- und Wissenstransfer, interkulturell. RS kennt Carla seit seiner Zeit hier. Sie begleitet uns für ihn. Brasilianische Lehrerin im Ruhestand erwartete uns pünktlich um 18 Uhr vor unserem Hotel. Vorabsprachen. Nur wir waren die Brasilianer und nicht pünktlich. Da Essen in unseren Gesichtern stand machten wir uns auf den Weg nach Ipanema zu einem guten Restaurant. Plätze gab es noch, um diese Zeit esse nur Touristen, Brasilianer ab 21.30 Uhr. Churrascarin Place bietet etwa 25 Beilagen mit Saucen und Gewürzen jeder Art, bekannt und unbekannt, neben Käse, Brot, Salat und Schinken, Süßspeisen Allee Art, soviel man will und dann kommen Leute mit frisch gegrilltem Fleisch, auch Fisch und schneiden Scheiben auf den Teller, bis man "geh weg sagt". Dazu Caipi, Bier oder Wein.

Nach zwei Stunden verstanden wir halb  Brasilien und kamen gerade noch zum Strand, zur ersten Atlantikberührung.
Der erste Tag ging gut zu Ende.

Das erste brasilianische Frühstück war klimatisch von großer Kälte begleitet. Wie gestern Abend, wie später im Restaurant und beim Jazz- Konzert: Es scheint ein Zeichen hoechster Gastfreundschaft zu sein, die Menschen zu unterkühlen. Interventionen stoßen auf Unverständnis, bisweilen auf Linderung. Der Kaffee war angenehm, das Obst sensationell lecker, na ja Sommer und viel Regionales.

Carla hatte einen Kleinbus mit Fahrer besorgt, der und auf 800 m Höhe brachte, wo einer der drei Bergferienregionen liegt. Abkühlung. Petropolis verspricht auch eine tolle Aussicht. Es war sehr grün, sehr nebelig, amazonische Pflanzenwelt, doch die Weitsicht eher Stranger than Paradise.
Ein portugiesischer Prinz war zuständig für die Kolonie, machte sich dann aber zum Kaiser und Brasilien unabhängig.
Pedro ließ sich dafür diese Stadt als Ferienort bauen und ein Spielkasino, eine Kathedrale und viele schöne Häuser für seine Helfer. Und weil Wechsel der Regierungsform (Monarchie zu Republik, Republik zu Militärdiktatur, dann wieder zu Republik, ohne große Umschweife - fast wie im Mutterland - blieb fast alles heile und wie Kaiser gegessen und gelebt hat, welche Krone, etc er trug, alles gut erhalten.
Das Spielkasino gleicht einem grossen Schwarzwaldschloss, ist heute aber Hotel, Casinos verboten - dabei Wetten die Brasilianer so gerne. Schwäne als Tretboot im gepflegten Teich.

Bemerkenswert ist noch, dass die Straßen nicht besonders gut sind, kaum Schnellstraßen, die Straßenbahnen und Eisenbahnen fast alle eingestellt sind, die Flüsse kaum zum Transport genutzt werden, aber nach der WM nun 2016 Olympische Spiele nach Rio kommen, 8 Mio Einwohner, zwei kurze U-Bahnlinien.
Dafür ist Karneval groß. Wir führen an den zweiseitig errichteten Tribünen vorbei, die für die Zuschauer errichtet werden. Doch in den Bezirken laufen schon die Paraden...und begeistern die Zuschauer.
Lenny Andrade, weltberühmte Jazz-Sängerin war heute in einem kleinen Klub - und wir dürften dabei sein:   71 Jahre und nachher noch im Gespäch,
aber - kalt und auf der Straße Schwulenkarneval. Unglaublich.
Ipanema - Zeit nach Mitternacht zum Strandspaziergang neben vielen spielenden, schlafenden, sitzenden und musizierenden Menschen bei 25 Grad.
Etwas Regen hat es gegeben...
Zwei Tage erst???

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