Petropolis, die alte Kaiserstadt (nicht weit weg von Rio)
Stefan Zweig beendete 1942 hier sein Leben - von daher klingt der Name vielleicht vertraut.
Rudi
S. hatte vorgesorgt. Vor Ort brauchen Leute, die nie in Südamerika
waren und nur einer Brocken Portugiesisch spricht, einen lokalen
Navigator, um die Klippen zu umschiffen, um Zusammenhänge zu erläutern,
um Details zu beantworten: Kultur- und Wissenstransfer, interkulturell.
RS kennt Carla seit seiner Zeit hier. Sie begleitet uns für ihn.
Brasilianische Lehrerin im Ruhestand erwartete uns pünktlich um 18 Uhr
vor unserem Hotel. Vorabsprachen. Nur wir waren die Brasilianer und
nicht pünktlich. Da Essen in unseren Gesichtern stand machten wir uns
auf den Weg nach Ipanema zu einem guten Restaurant. Plätze gab es noch,
um diese Zeit esse nur Touristen, Brasilianer ab 21.30 Uhr. Churrascarin
Place bietet etwa 25 Beilagen mit Saucen und Gewürzen jeder Art,
bekannt und unbekannt, neben Käse, Brot, Salat und Schinken, Süßspeisen
Allee Art, soviel man will und dann kommen Leute mit frisch gegrilltem
Fleisch, auch Fisch und schneiden Scheiben auf den Teller, bis man "geh
weg sagt". Dazu Caipi, Bier oder Wein.
Nach zwei Stunden verstanden wir halb Brasilien und kamen gerade noch zum Strand, zur ersten Atlantikberührung.
Der erste Tag ging gut zu Ende.
Das
erste brasilianische Frühstück war klimatisch von großer Kälte
begleitet. Wie gestern Abend, wie später im Restaurant und beim Jazz-
Konzert: Es scheint ein Zeichen hoechster Gastfreundschaft zu sein, die
Menschen zu unterkühlen. Interventionen stoßen auf Unverständnis,
bisweilen auf Linderung. Der Kaffee war angenehm, das Obst sensationell
lecker, na ja Sommer und viel Regionales.
Carla
hatte einen Kleinbus mit Fahrer besorgt, der und auf 800 m Höhe
brachte, wo einer der drei Bergferienregionen liegt. Abkühlung.
Petropolis verspricht auch eine tolle Aussicht. Es war sehr grün, sehr
nebelig, amazonische Pflanzenwelt, doch die Weitsicht eher Stranger than
Paradise.
Ein portugiesischer Prinz war zuständig für die Kolonie, machte sich dann aber zum Kaiser und Brasilien unabhängig.
Pedro
ließ sich dafür diese Stadt als Ferienort bauen und ein Spielkasino,
eine Kathedrale und viele schöne Häuser für seine Helfer. Und weil
Wechsel der Regierungsform (Monarchie zu Republik, Republik zu
Militärdiktatur, dann wieder zu Republik, ohne große Umschweife - fast
wie im Mutterland - blieb fast alles heile und wie Kaiser gegessen und
gelebt hat, welche Krone, etc er trug, alles gut erhalten.
Das
Spielkasino gleicht einem grossen Schwarzwaldschloss, ist heute aber
Hotel, Casinos verboten - dabei Wetten die Brasilianer so gerne. Schwäne
als Tretboot im gepflegten Teich.
Bemerkenswert
ist noch, dass die Straßen nicht besonders gut sind, kaum
Schnellstraßen, die Straßenbahnen und Eisenbahnen fast alle eingestellt
sind, die Flüsse kaum zum Transport genutzt werden, aber nach der WM nun
2016 Olympische Spiele nach Rio kommen, 8 Mio Einwohner, zwei kurze
U-Bahnlinien.
Dafür ist Karneval groß. Wir führen an den
zweiseitig errichteten Tribünen vorbei, die für die Zuschauer errichtet
werden. Doch in den Bezirken laufen schon die Paraden...und begeistern
die Zuschauer.
Lenny Andrade, weltberühmte Jazz-Sängerin war
heute in einem kleinen Klub - und wir dürften dabei sein: 71 Jahre und
nachher noch im Gespäch,
aber - kalt und auf der Straße Schwulenkarneval. Unglaublich.
Ipanema
- Zeit nach Mitternacht zum Strandspaziergang neben vielen spielenden,
schlafenden, sitzenden und musizierenden Menschen bei 25 Grad.
Etwas Regen hat es gegeben...
Zwei Tage erst???
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