Donnerstag, 5. Februar 2015

Von Rio nach São Paulo - Auf der Suche nach dem Paulistano



Alle drei Minuten hebt ein Flieger vom innerstädtischen Flugplatz Santos Dumont (SDU) ab, etwa alle 30 Minuten nach São Paulo.
Wir hatten neulich vom Zuckerhut Spielflugzeuge zu unseren Füßen beobachtet, die eine viel zu kurz erscheinende Startpiste, quergezeichnet auf einer Halbinsel offenbar für Übungen von Jungpiloten nutzten: Wer als erster im Wasser landet, gibt einen aus. Doch alle schafften es, rechtzeitig abzuheben und kriegten auch die Kurve.
(Warum können die das nicht auch für den BER üben, dann erübrigt sich viel, was Einflugschneisen genannt wird..?...)
Es war ein schönes Schauspiel, nun waren wir selbst Teil davon: Wird schon gutgehen, kann man nichts machen, muss man durch, liegt in den Händen anderer: just trust...

Unser Flug- und Unterkunftsbeauftragter hatte wir immer gute Arbeit geleistet. Die Buchungen waren alle echt, das Personal war doppelt so schnell und auch noch freundlicher als in Tegel, als der arbeitende Kunde zum Selbsteinchecken an unausgegorene Maschinen geschickt wurde, überfordert waren, dies zuzugeben.
Diesmal durften alle sieben auf einen Streich einen früher Bordkarte genannten Kassenbon erhalten, welches dazu berechtigte, Gepäck aufzugeben. Die Höchstgrenze Von 23 kg erreichten, Ernie, sich nach Intervention wurde das Gesamtgewicht verrechnet. Blöd nur, dass ich dafür zahlen musste, doch dann wiederum dachte ich, Oft hatte ich mehr, nie musste ich was bezahlen. Ist schon o.K.
Hat eine gewisse Logik...
Doch als wir unsere Koffer in São Paulo zick-zack alle wieder hatten, TOLL! No wonder, die Maschine war nur zur Hälfte belegt. Hmm...
Sie machen ja nur ihren Job, sagt der eine sie tun ja nur ihre Pflicht, sagt der andere, und wo ist da die Logik, das macht doch keinen Sinn, sagt die andere.
Manchmal ist sie uns einfach nicht zugänglich - oder eben gerade doch.

Eine Stunde, mehr nicht: Und schwupps bist du in São Paulo. Dabei waren wir doch gerade erst richtig in Rio angekommen, wussten Taxi- und U-Bahntickets sinnvoll einzusetzen, konnten Entfernungen wie teure und brasilianisch einfach(e) gute Speise- und Getränkeorte zu finden und zu unterscheiden, wussten Ipanema und Lapa, Copa Cabana und Zuckerhut, Christus und die beiden Brüder auseinanderzuhalten, Caipirinha in seinen Geschmacksrichtungen und Bestandteilen zu buchstabieren und konnten die Liste der Orte, Gebäude und Veranstaltungen beginnen aufzuschreiben, begannen die nächtens schweigend Fußball spielenden hungrigen Männer zu verstehen, Das siebenZuEins humorvoll einzusetzen, wohl unwissend, ob hierher wieder eine(r) wird jemals zurückkehren.
Auch nichts Spezifisches, wohl doch nur normal - aber zum Karneval nicht mehr da zu sein
das war richtig für alle sich aussprechenden Sieben richtig.

Die künftige Olympiastadt im Rücken, der Liebling der Touristen, vor uns der Motor der brasilianischen Wirtschaft, 20% der brasilianischen Industriekraft steckt hier, 18 Millionen Menschen sagt man, zieht weiter und weiter viele an, auf der Suche nach Brot, Arbeit, Perspektiven...

Das halbleere Flugzeug hatte fast jedem einen Fensterplatz ermöglicht. Der lange Anflug machte sofort klar, dass hier Stadtplanung schwierig ist, der "Moloch" viel zu groß erscheint,
ihn überhaupt zu durchfahren: Studienreise Teil Zwei hatte begonnen. Auf der Suche nach dem Paulistanos.

Noch standen nicht alle Termine, Die 5 Tage bis zum Abreise am Montagabend versprechen Perspektivenwechsel, an die Grenzen der Überforderung...
... und weitere Wege als wir sie jemals erlebt haben.

Unser neuer ortskundiger Begleiter hat Wegezeiten miteingerechnet, bestand aber darauf, dass Rio gewaltsamer und mordintensiver sei, aber auch, dass Berlin preisgünstiger als São Paulo sei. Bei seinem Versuch, die Stadt auf dem Stadtplan zu strukturieren, zeigte er zwei Flüsse, doch fügte sofort hinzu, dass 90% der Abwasser der Stadt in diese früher Flüsse genannten Abwässer flössen, eine Entwässerung also praktisch nicht stattfinde, 400 km weiter jedoch wieder alles annehmbar sei.

Wenn die drei Monate der Regenzeit Ende April vorbei sind, müssen die Wasserreservoire gefüllt sein. Heute halten sie gerade mal 5%. Der Paulistanos fürchtet die Rationierung, nämlich nur noch an zwei Tagen pro Woche Wasser zu erhalten. Nirgendwo in Brasilien sei der Unterschied zwischen arm und reich so groß wie hier.

Viele junge Menschen sehen wir in den Straßen unbekümmert am Abend durch die Gegend laufen, Autos fahren piepsend in vergitterte Garagen, die ganze Gegend ist voller Hochhäuser. Unser IBIS Hotel hat nur 12 Etagen, aber wie in Rio finden die vergitterten Gartenzäune viele Nachfolger, so dass die Häuser alle vom Bürgersteig getrennt sind
und mit Kameras gesichert. Fast glaubt man, das gehöre zur Straßenordnung. Man wird sich dem wohl nicht entziehen können und steht der Zaun erst einmal, sind die Wachen erst einmal eingestellt, glaubt der Nachbar nachziehen zu müssen... und wer reißt so etwas schon wieder nieder???

Paulista heißt die Straße. Vielleicht hilft das bei der Suche....

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