Die Reise vom Flughafen in Poona mit einem Auto zum Hotel in LAVASA war eine 2-stündige Einübung in Gelasenheit. Der freundliche Fahrer war bereit mir vorab mitzuteilen, dass wir für diese Reise zwei Stunden benötigen würden. Er wollte auch gleich los und gestattete mir, im Auto eine Zigarette zu rauchen, was mir den Unterschied zwischen der realen Temperatur (ca. 30 Grad) und der dann per Klimaanlage reduzierten Klimalage ermöglichte. Das kleine wendige Fahrzeug bewegte sich zwischen vielen anderen mobilen Einheiten mit Motorantrieb - keine Fahrräder, viele Mopets mit drei oder vier unbehelmten Menschen, viele dreiradangetriebene Droschken, wenige Busse, einige LKWs - britisch geordnet im Linksverkehr, britisch orientiert (immer mit Blick auf alle anderen Verkehrsteilnehmer aber nicht auf die Verkehrsregeln von Ampeln, Vorfahrt, durchgezogenen Linien, Überholverbot oder Geschwindigkeitsbegrenzung) immer fair in der Hinsicht, keinen zu verletzen zu wollen oder anzurempeln, aber bisweilen haarscharf daran vor, doch immer darauf bedacht, das sehr beliebte Hupen als Warnung an andere zu nutzen und nicht zur Niedermachung anderer Verkehrsteilnehmer, folglich gerne musikalisch, immer im Fluss - außer NIX GEHT MEHR - wie wir es von ganz früher aus den Bergen kannten, wo die Hupe dazu diente, eventuellem Gegenverkehr von der Gefahr ungebremsten Weiterfahrens kundzutun.
Dasbei bewegten wir uns an bunten Menschen(d.h. bunt gekleidet sind fast nur die Frauen, dafür aber viele, motorisierte Lenker sahen wir fast nur Männer) kaputten Häusern, Blechhütten und Werbeplakaten vorbei, Verkaufsständen und Haltestellen, sahen viele schwarze Schafe und heilige, abgemagerte Kühe auf ihrem Weg werweißwohin - und ich dachte: Dass ist also Indien. Ganz ähnlich wie Nicaragua. Nur vielmehr Menschen, mehr Kulturen, mehr Religionen. Wenn wir heute von einer Milliarde Indern ausgehen, wovon 450 Millionen unter 25 Jahre alt sind, ...Das Fahren verhinderte bettelnde Menschen an unser Auto zu kommen, das Fahren legte den Blick frei für viel Militärpräsens in den Straßen - das war auch am Flughafen schon so, sol aber "normal sein", also keine Reaktion auf aktuelle Bedrohungsszenarien. Mein Fahrer sprach wenig Englsich, wie andere auch wenig Englisch verstanden, jedoch immer freundlich zuvorkommend die Türe aufhalten, die Tasche tragen, das Glas nachfüllen.
Das Rätsel der vielen unfertigen Baustellen, die verlassen und verkommen aussehen, versuchte heute Abend ein Kollege der örtlichen Entwicklungsgesellschaft zu erläutern: Der Monun hat sin gerade verabschiedet und kommt im Juni mit 60 - 80 Litern Regen pro qm zurück; da blieben alle Baustellen verweist, weiterbebaut wird jetzt erst...
Nach einer Vogelbeobachtung am Nachmittag und Rotwein am trockenen Mittwoch - es gibt bei den Hindus "dry days" - kein Alkohol. Wass aber mit denen passiert, die sich daran nicht halten, wollten sie mir auch nicht erläutern...
Danke für die Begleitung - am Ende des ersten Tages, der aber ein wenig mehr als 24 Stunden umfasst hat:
Grüßevon Andreas aus Indien II
Ich freue mich auf deine weiteren Berichte und hoffe, dass die Nichtachtung des dry days ohne Konsequenzen bliebe. :-)
AntwortenLöschen