Freitag, 24. September 2010

DAY THREE IN INDIA zwei

Die kleine nachmittägliche Pause zum Luftholen
reichte bis zum nächsten Bustransport,
da die hiesige Entwicklungsgesellschaft es sich nehmen alsen wollte, den "educatern" mit Trinken und Essen im Country-Club (nebst Spa und Bootsanlegestelle) den Weg mit Teelichtern gesäumt, zu weisen.
Kingsfisher ist nicht nur eine Fluglinie, sondern auch eine Brauerei; sie sollen auch Wiskey herstellen, können also keine Moslems sein. So bekam ich mein erstes indisches Bier, welches ich einem frischen Mitarbeiter der Marketingabteilung zu verdanken habe, der seit drei Monaten hier ist, weil seine Familie ihn braucht, nachdem er zehn Jahre in Wimbelton gut gelebt hatte. In 25 - 30 Jahren werde alles fertig sein, sagte er. Dann könne er sich hier zur Ruhe setzen. Der Kleiderordnung wegen musste er mich dem  Sicherheitschef vorstellen, der natürlich einen zivilen Titel hat, alter hochrangiger Militär, allein, zivil gekleidet. Als er erfuhr woher ich bin - dies ist ein kleiner Beitrag zum Thema kulturelle Phantasien - schwärmte er gleich von Stalingrad und den großen Schlachten der Nazis in Nordafrika, um sogleich die deutschen Gäste zu erwähnen, die er hier schon begrüßt hat: Volkswagen und Mercedes Benz. Von Ariern hat keiner gesprochen...Doch als er sagte, auf eine freie Stelle bekomme er 100 Bewerbungen und ich ihm von den aussterbenden deutschen Ortschaften erzählte, die sich über neue Einwohner freuen würden, wollte er dies Konzept seinerseits nicht weiter vorantreiben; wahrscheinlich reicht ihm das mit LAVASA auch schon aus.

Der Regen hatte sich gelegt,  so war es angenehm im Freien bei indischem Vollmond und im Dunkeln bekommt Sim City richtig Konturen. Die Menschen waren gut gekleidet, gut gelaunt, auch ohne Musik. Und in Indien sind viele Menschen ungewöhnlich schön. Ich lernte noch, dass heute 350 Menschen in LAVASA arbeiten, die meisten als einmeterfünundsechszig kleine uniformierte Security-Leute, als Straßenschilder oder Marketender sowie weitere 10.000 als Bauarbeiter aif den Baustellen, oft nebst Familien, ohne natürlich eine Schule zu haben - die Internate, ich erwähnte das früher - werden ja erst noch von den Baurabeitern gebaut, das erste soll im Sommer 2011 ans Netz gehen, am liebsten mit 170 Schülern, doch Verträge wurden noch nicht abgeschlossen, aber es gibt Bewerbungen, die Marketenderinnen entgegen nehmen.

Der nicht-indische Leiter der Mercedes-Benz-Schule in Neu Dehli ließ uns raten, wieviele Mercedeskinder er wohl habe und malte eine Null in die Luft (dafür aber VW-Kinder und Audi-Kinder, aber auch nicht viele. So täuscht man sich und fragt sich. In Neu Dehli selbst soll es mehr als 12 internationale Schulen geben.)
Irgendjemand erzählte heute auf Englisch, dass Einstein soll gesagt haben:
Der Horizont vieler Menschen ist ein Kreis,
dessen Radius gleich Null ist -  sie aber nennen es einen Standpunkt.

Eigentlich sollte noch was Versöhnliches zum Abschluss kommen. Meine Gastgeberin, Anu, ist eine der wenigen indischen Leiterinnen einer internationalen Schule.Sie vertritt sehr stark die Hoffnung, mit guter Bildung einen Beitrag zum Frieden und
zum besseren deokratischen Grundverständnis der Menschen beirtagen zu können, die es auf dem Subkontinent so lange gewohnt waren,
von einer ganzganz kleinen Clique (mal indisch, mal britisch, mal beides) bestimmt worden zu sein.
Selbst Mahatma Ghandi kam heute neben Einstein zu der Ehre, zitiert zu werden:
Frieden nur, wenn die Kinder beginnen, dies zu lernen.

ENDE NACHTRAG TAG DREI, Freitag, 24. September 2010

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