Liebe im Geiste Mitreisende,
Anteilnehmende,
mun bin ich am Montagabend in Jaipur angekommen.
Am morgigen Dienstag werden mir hier noch zwei Sehnenswuerdigkeiten gezeigt,
dann geht es "zurueck" nach Dehli.
Mein gestriger, abendlicher Kurzausflug in die indische Wirklichkeit,
der ich ja bislang nur durchs Autofenster begegnet bin,
als ich um den Hotelblock ging, geht mir noch nach.
Diese geballte Portion Wirklichkeit steckt dann doch erstmal in den Kleidern,
wenngleich ich ja versuche,zu schauen, zu beobachten, zu verstehen.
Ich bleibe an der Oberflaeche und
begreife nicht, was hier passiert.
Mal habe ich Bilder aus Maracesch vor mir, mal Nicaland,
mal die USA. Ueberall verlorene Menschen, die offenbar nicht geraucht werden,
oder sehen muessen,
wie sie durchkommen. Beim Einschlafen, dachte ich, dass ist die Hoelle, aber ist die nicht da,
wo es keine Hoffnung gibt? Einschlafen war schwer, allein sowieso. Keine gute Idee war das, allein zu fahren.
Meine Kontrastwelt fuerhte mich heute um 6 Uhr
vor dem Fruehstueck
ins Taj Mahal,
vo dem ich gar nicht wusste,
ob ich es einmal im Leben sehen moechte,
es stand auf keiner Liste,
dass ich dies einmal sehen wuerde,
ist mir nie in den Sinn gekommen.
Das Wetter war klar, warm, sonnig,
also gute Sicht und wunderbares Licht am Morgen,
wo nur wenige Dutzend Fruehaufsteher
sich dem mausoleum naehern wollten,
alle Eurpaer auf der Lady Di Bank Platz nehmen mussten,
ich auch, und die unglaubliche Dimension dieses Marmorgebaeudekomplexes
mit seinen unglaublich harmonischen Dimensionen
eigentlich nur Innehalten erlaubt,
ob des Gefuehl ueberwaeltig zu sein,
dankbar,
so etwas sehen zu duerfen,
nicht zu begreifen,
dass dies in 12 Jahren von 20.000 Menschen erbaut wurde,
als Begraebnisstaette fuer die verstorbene Frau,
war versprochen,
doch der Sohn, den Bauherrenvater dafuer in den Knast steckt,
seine Brueder toetet,
den Thron besteigt,
damit das Gegenstueck gleicher Groesse
auf der anderen Seite des Flusses,
nunmehr in schwarzem Marmor,
nicht erbaut wird.
Die vielen spezialisierten Bauarbeiter hatten uebrigens,
wie es heisst,
die Arschkarte gezogen,
sie durften den Ort nicht mehr verlassen,
um zu verhindern,
dass sie ihre spezialiserten Dienste an anderer Stelle anbieten und so eventuell ein groesseres entstehen konnte,
doch sie durften sich niederlassen und ihre Handwerkskunst fortfuehren,
angeblich bis heute,
den Marmor in allen Facetten gibt es ueberall im Ort.
Es stimmt Agra ist dreckig, lebt vom Taj,
den ja alle sehen wollen,
und wenn Vollmond ist,
soll er am besten aussehen.
Alle damit verbundenen Weltrekorde kann ich nicht mehr aufzaehlen,
aber ich wuerde es mit meiner begrenzten Kenntnis ungewoehnliche Gebaeude durchaus in die Wunderliste aufnehmen - gleich neben Granada, wie wir es einst sehen durften.
Fruehstueck, auschecken, Nachricht zum verlorenen Text schreiben, Tschuess Agra.
Suche nach einem geldautomaten, der vierte funktioniert. Mein erstes eigenes indisches Geld.
Abfahrt nach Jaipur, 270 km, ein anderer Highway mit wenig Verkehr, wenig Schlagloechern, wenigen aber ungwoehnlich beweglichen Kuehen, vier Stunden Fahrt - ich bin ja fast nur unterewegs - angekommen, falsches Hotel, aslo noch einmal eine knappe Stunde durch die Stadt,
die 1920 noch 120.000 Einwahner hatte, als rosa Stadt eine aussergewoehnliche staedtebauliche Leistung ist,fuer 200.000 geplant wurde, heute 4 Millionen hat, 1,2 Millionen in der "pink city" die nur dahalb so heissen soll, weil der damalige Maharatscha dem Prinz von Wales imponieren wollte bei seinem Besuch und die Reissbrettstadt nun auch noch in eine einzige Farbe tauchen wollte, denn bis dahin gab es keine Regeln,
welche Farbe ein Haus haben muss,
so liess er Backsteine brennen, zerbroeseln und als Farbe an alle Haeuser malen,
nur der offensichtlich farbenbilde Prinz nannte diese Farbe "PINK" - und so blieb es dabei,
dass die rosa Stadt gar nicht rosa ist,
aber nun Vorschriften fuer die Haeuserfarben hat.
Jaipur lebt zu 10% als Hauptstadt des Bundesstaates Rajastan zu 10% von Regierungsjobs, zu 15% von Landwirtschaft zu 40% vom Tourismus in all seinen Ausformungen, sagt mein neuer ortskundiger Guide, der keine Arbeitslosigkeit in Indien sieht, wenn man all die abzieht,
die zu alt sind, keine Lust haben oder eben einfach nicht die richtige Arbeit gefunden haben.
In einer Teppich und Textilkooperative lernte ich, dass die Arbeiter am Tag mit 150 bis 300 Rupien nach Hause gehen, was nach offiziellem Kurs 3 - 6 Euro waeren, was o.K. sei, wenn man nicht krank werde und immer Arbeit da sei. Ansonsten Besichtigung der obligatorischen Sehenswuerdigkeiten von 16 - 19 Uhr. Sehr schoen, aber auch genug bei der Hitze, insofern hat die Reiserei ihren Sinn?!?
Diese Unterkunft bietet ein Schwimmbad, ein restaurant, spa, d.h. Massagen und Beauty aller Art, das Gelaende im Rajastan-Stil hat viele kelien laendlich gepraegte Haeuser, offensichlich ein Preistraeger in einem Architektenwettbewerb, doch natuerlich sehr pflegeintensiv. Was heisst das, Arbeit ist hier doch nicht teuer...
Doch diese Sonderzutaten werde ich ungenutzt liegenlassen muessen, denn morgen frueh stehtder Abschluss dieses Ortes auf dem Plan und die Rueckreise in die grosse Stadt Dehli, fur die mir ein Nachittag und Abend als Eindruck bleiben wird, denn Mittwochfrueh beginnt die lange Rueckreise mit verschiedenen Flugzeugen und weiteren Zwischenstopps.
Ich danke fuer die Begleitung aus der Ferne und freue mich auf eine Rueckkehr in eine Welt,
von der ich ein wenig mehr zu verstehen glaube,
aber, da faellt mir ein,
Indien wird wohl deshalb nicht zum Reiseland, weill diese jetzige gruene Periode in drei Monaten vorbei sein wird, dann alles verbrennt und alle dem Monsun entegegen fiebern, der dann drei Monate nicht mehr mit regen aufhoert, wenngleich das in den letzten zehn Jahren auch nicht mehr wie frueher war, ausser in diesem Jahr, ist es gut gewesen. Hier in Jaipur, nur sind nun natuerlich alle Strassen kaputt. Man kann eben nicht alles haben, wenn man in pink citz ist.
Gruesse, Gruesse, Gruesse
Andreas fast schon auf dem Weg zurueck aus Indien
P.S.: Zu dem Verkehr muss ich noch sagen, dass bestimmt niemand sagen kann,
wieviele Menschen hier verletzt oder getoetet werden,
-es gibt keine Meldepflicht,
Einwohnerzahlen werden immer im Zensus geschaetzt, zuletzt 2002,
Krankenversicherung ist auch nicht sehr verbreitet -
ausser in Teilen der grossen Staedte,
was auch damit zusammenhaengt,
dass das Potential der Autowerkstaetten und Versicherungen nicht erkannt wurde,
also Unfaelle wie Kratzer sicher meist so geregelt werden,
was ja beim Thema Kratzer ein grosses Wirtschaftsfeld ist - also Indien hat auch hier Poenzial.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen